Internationale Gruppenausstellung in Greiz erkundet Landschaften zwischen Erinnerung, Wahrnehmung, Material und Imagination
GREIZ — Am 3. Oktober 2026 eröffnen die Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz die internationale Gruppenausstellung Landscapes of the Soul / Seelenlandschaften. Fünfzehn internationale Künstlerinnen und Künstler zeigen Arbeiten, die der Frage nachgehen, wie innere Erfahrungen sichtbare Form annehmen. Vom 4. Oktober bis 22. November 2026 ist die Ausstellung im Museum im Oberen Schloss und im Museum im Unteren Schloss für das Publikum geöffnet.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Idee der Landschaft – jedoch nicht im Sinne eines klassischen Genres. Landschaft wird vielmehr zu einer Denkfigur für das Verhältnis von Wahrnehmung und Erinnerung, Körper und Umwelt, Material und Imagination. In Malerei, Mixed Media, konzeptuellen Arbeiten, fotografischen Verfahren, Assemblagen und materialexperimentellen Positionen erscheint die „Seelenlandschaft“ als etwas, das sich durch Farbe, Oberfläche, Rhythmus, Geste, Materialität und Raum formt.
Die Ausstellung umfasst ein breites Spektrum visueller Ausdrucksformen: geometrische und symbolisch aufgeladene Acrylmalerei, atmosphärische Landschaften in Öl, visionäre Mixed-Media-Bildwelten, sinnlich geprägte Figuration, Farbfeldmalerei, textbasierte konzeptuelle Arbeiten, fotografisch-malerische Hybridformen sowie Objektarbeiten aus wiederverwendetem Vinyl. Statt ein einheitliches Bild einer inneren Welt zu entwerfen, zeigen diese unterschiedlichen Ansätze, auf welch vielfältige Weise emotionale und wahrnehmungsbezogene Erfahrungen Gestalt annehmen können.
Einige Arbeiten suchen nach Ordnung in Kreisen, Rastern und wiederkehrenden geometrischen Strukturen sowie in Motiven, die auf Frequenzen, elementare Systeme, kosmische Ordnungen oder den Lauf der Zeit verweisen. An anderer Stelle bleiben Winterlandschaften, dunkle Täler, leuchtende Horizonte, Grotten, Schlösser, Unterwasserwelten und erhöhte Blicke auf die Erde erkennbar, werden jedoch durch Atmosphäre, Maßstab und Stimmung verwandelt. So entstehen Räume der Distanz, des Innehaltens, der Einsamkeit und des Staunens – weit entfernt von einer rein beschreibenden Wiedergabe der Natur.
Auch das Material selbst wird zur Landschaft. Rohe Leinwand, Kohle, Tusche, Pastell, Acryl und Ölkreide bewahren Spuren von Berührung und Veränderung; geschichtete Mixed-Media-Oberflächen erzeugen Dichte; Wolle, Asche, Körperabdrücke, gegossene Acrylfarbe und transparente Lasuren machen Prozess und Erosion sichtbar. Wiederverwendete Schallplatten und Plattencover werden geschnitten, gesägt, geschichtet und neu zusammengesetzt. So verwandeln sich ehemalige Tonträger in haptische Bildobjekte, in denen Rhythmus, Erinnerung und der Gedanke der Wiederverwertung Teil der künstlerischen Aussage werden.
Figurative Arbeiten rücken Körper und Gesicht als Orte von Sinnlichkeit, Selbstwahrnehmung, Identität, Verletzlichkeit und gesellschaftlicher Existenz in den Mittelpunkt. Andere Positionen wenden sich Reduktion und konzeptueller Struktur zu: Weite Farbfelder betonen die emotionale Kraft chromatischer Beziehungen, handschriftliche Sprache löst sich vom Lesen und wird zu Rhythmus und visueller Abstraktion, fotografische Bilder verbinden sich mit malerischen Eingriffen und dem reflektierenden Glanz von 24-karätigem Gold. Großformatige Kompositionen zu Signalen, Zeit und Frequenz verweisen zugleich auf Systeme jenseits der alltäglichen Wahrnehmung.
Über die unterschiedlichen künstlerischen Verfahren hinweg versteht die Ausstellung Landschaft weniger als Genre denn als Form des Bewusstseins. Ein Horizont kann Freiheit oder Trennung bedeuten, ein Farbfeld zu einem emotionalen Klima werden, eine materielle Spur Abwesenheit oder Präsenz hervorrufen. Was sich dem Auge zeigt, wird fortwährend durch Erinnerung, Begehren, Angst, kulturelle Erfahrung und Vorstellungskraft verändert. Die Werke führen vor Augen, wie eng die Wahrnehmung der Welt mit der Wahrnehmung des eigenen Selbst verbunden ist.
Die historischen Museen in Greiz bilden für diese Begegnung einen besonders resonanten Rahmen. In Räumen, die von Geschichte und kulturellem Gedächtnis geprägt sind, eröffnen zeitgenössische künstlerische Positionen neue Wahrnehmungs- und Erfahrungsräume. Vergangenheit und Gegenwart treten in einen Dialog, während die Architektur des Museums selbst zu einem Ort der Begegnung zwischen äußerer Umgebung und innerer Reflexion wird.
Landscapes of the Soul / Seelenlandschaften lädt dazu ein, sich zwischen diesen inneren und äußeren Räumen zu bewegen und jene wandelbaren Territorien zu entdecken, die durch Begegnungen, Erinnerungen, Verluste, Hoffnungen und Veränderungen entstehen.
Kuratoren
• Nour Nouri — Direktor von Pashmin Art
• Rainer Koch — Direktor der Greizer Museen
• Dr. Davood Khazaie — Internationaler Kurator
Realisiert von
• Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz, Greiz, Deutschland
• Pashmin Art Consortia, Hamburg, Deutschland



